Kirchengemeinden


Die Evangelische Kirchengemeinde Hülben

Alles wirkliche Leben ist Begegnung. (Martin Buber)

Von den Kleinsten bis zu den Senioren bietet unsere Gemeinde vielseitige Möglichkeiten der Begegnung. Sei es im Gottesdienst, in den verschiedensten Kreisen und Gruppen oder unseren Chören.

Alle Informationen über unsere Kirchengemeinde und den verschiedensten Veranstaltungen und allen Ansprechpartnern erhalten Sie auf unseren Internetseiten www.ev-kirche-huelben.de

Verantwortlich ist unser Gemeindepfarrer Ralph Hermann.

Kontakt:
Evangelisches Pfarramt Hülben
Pfarrgasse 8
72584 Hülben
07125 5159
Fax 5479
pfarramt.huelben@elkw.de
www.ev-kirche-huelben.de


Katholische Kirchengemeinde St. Josef in Bad Urach

Kontakt:

Katholische Kirchengemeinde St. Josef
Münsinger Strasse 18
72574 Bad Urach
07125 94 675-0
Fax 94 675-20
Kath.PfarramtBadUrach@web.de
www.katholischekirchebadurach.de


Hülben und der Pietismus/Kullen-Familie

Von Eberhard Kullen (Auszug aus der Ortschronik der Gemeinde Hülben)

Der Pietismus hat in Hülben schon frühzeitig Eingang gefunden und durch das Wirken der Lehrerfamilie Kullen im Ort und in der Umgebung einen nicht geringen geistlichen Einfluss ausgeübt. Dadurch ist er im evangelischen Württemberg Hülben weithin bekannt geworden.

Was versteht man unter Pietismus?
Der Pietismus (Frömmigkeit) ging aus evangelischen Erweckungsbewegungen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts hervor. Den ersten Anstoß gab Pfarrer Philipp Jakob Spener (1635 – 1705). Er und seine Anhänger drangen auf lebendige Frömmigkeit und werktätiges Christentum. Seine Vorschläge zur Hebung der Frömmigkeit waren: mehr Bibellesen und Bibelbetrachtung, mehr Herzenschristentum, weniger Kopfchristentum und ein geheiligter Wandel in der Nachfolge Christi. Er führte zu diesem Zweck neben den Gottesdiensten besondere erbauliche Zusammenkünfte ein, bei denen die Erweckten sich um Gottes Wort sammeln und ihre Glaubenserfahrungen austauschen konnten. In diesen Versammlungen durften neben Pfarrern auch Laien das Wort ergreifen und die Bibel auslegen. Zwei weitere Neuerungen erwuchsen aus Speners Reformbemühungen: die Umgestaltung der katechetischen Unterweisung und die Einführung der Konfirmation.
Die von Spener ausgehende Bewegung fand bald in Württemberg Eingang. Neben anderes war es hier besonders der Pfarrer und spätere Prälat Johann Albrecht Bengel (1687 – 1752), der den Pietismus in unserem Land beeinflusste und prägte. Er vertrat eine einfache biblische Haltung, die bis heute in den „Stunden“ wahrgenommen wird. Die neu aufkommende Bewegung des Pietismus wurde in Württemberg durch das „Pietisten-Reskript“ vom Jahre 1743 durch Herzog Carl Friderich in das kirchliche Leben eingebunden und die Privaterbauungsstunden „genehmigt“.

Wie kam der Pietismus nach Hülben?
Wann der Pietismus in Hülben Fuß fasste, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Ein entscheidendes Ereignis ist aber die Erweckung von Anna Katharina Kullen geb. Buck (1722 – 1783), der Frau des Schulmeisters Wilhelm Kullen (1735 – 1784), dem zweiten Lehrer dieses Namens in Hülben, von der folgendes berichtet wird:
„Die Schulmeisterin war vielleicht die erste Person im Ort, die ihrem Pfarrer ihr Herz entdeckte. Er war ein eingekehrter Mann, der nicht viel Worte machte und sagte zu ihr: Frau Schulmeisterin, lesen sie die Römer-Epistel! Als sie nach einiger Zeit damit fertig war, sagte sie zu ihm: Herr Pfarrer, die Römer-Epistel ist etwas für die Dettinger, aber nicht für die Hülbener. Sie meinte, es gebe in Hülben wohl keinen Menschen, der so schlimm sei wie der Römerbrief gleich in den ersten Kapiteln die Menschen beschreibt, in andern Orten möge es etwa solche Leute geben. Kurz und einfach sagte er: Frau Schulmeisterin lesen sie die Römer-Epistel noch einmal. Da stand es nicht lange an bis sie ihm sagen konnte: Herr Pfarrer, die Römer-Epistel ist auch für die Hülbener da und auch für mich.
Fricker sagte: Nun ist ihr ein Licht aufgegangen und beim Licht lernt man. Von diesem Licht wurde auch der Schulmeister stark berührt. Nicht mehr die Streitigkeiten auf dem Rathaus, die vordem bei Wilhelm, wie schon bei seinem Vater Johannes, eine große Rolle gespielt hatten, waren jetzt die Hauptsache, sondern das Lesen von Gottes Wort, den Schriften Bengels u.a.

Anfänge der Stunden
Es wird angenommen, dass einige Zeit später (um 1768) das Schulmeisterehepaar die „Stunde“ anfing. Zu Beginn war es wohl ein Hauskreis, den Brüder von Dettingen betreuten. Die erste „Stunde“ von der berichtet wird, hielt der Sohl Jakob Friedrich, dritter Kullen-Lehrer in Hülben, am Sonntag Lätare 1784 über Johannes 6, 1-14, die Speisung der 5000.
Die weitere Entwicklung des Pietismus in Hülben war eng mit den Lehrern Kullen verbunden. Sie waren Träger und Förderer der Stunde. Eines ihrer geistlichen Hauptanliegen war, dass die Bibel als absolute Autorität anerkannt und Mittelpunkt des Lebens wurde. Dies wollen sie auch ihren Kindern, Schülern und Zuhörern in den Stunden vermitteln und sie zu einem lebendigen Glauben führen. Neben der Bibel waren es die Schriften des Prälaten Bengel, des Liederdichters Pfarrer Philipp Friedrich Hiller und anderer pietistischer Theologen, die gelesen wurden. Dies führte dazu, dass durch Generationen hindurch der Hülbener Pietismus bis heute eine nüchterne biblische Haltung behielt. Ein weiteres Merkmal war das Bemühen um ein persönliches Verhältnis zu Jesus, der Mittelpunkt all ihrer Verkündigungen war. Die Väter Kullen waren praktische Christen. Große theologische Grundsatzdebatten haben sie nie besonders interessiert. Dies hängt wohl damit zusammen, dass sie Lehrer waren und in ihrem täglichen Beruf erfuhren, dass zwischen Erkennen und Tun ein tiefer Graben liegt. Ihnen ging es um praktische Frömmigkeit. Zur Verdeutlichung sollen Erlebnisse und Verhalten aus dem täglichen Leben der Väter erzählt werden.

Das Hülbener Schulhaus Hauptstraße 18 wurde im Laufe der Zeit ein Sammelpunkt der Gläubigen aus nah und fern. Die Besuche wurden, auch wenn sie zur „Unzeit“ kamen, freundlich aufgenommen. Und dies ist bis heute so geblieben. Diese Gastfreundschaft war nur möglich, da die Kullenfrauen bis heute nach besten Kräften dienen und sorgen. Sie alle legten durch ihr Wirken ein lebendiges Zeugnis ihres Glaubens ab und gaben dem Haus die freie christliche Atmosphäre. Auswirkung des Pietismus
Die „Stunde“ ist aus Hülben nicht wegzudenken. Sie besteht seit über 200 Jahren und ist für viele eine geistliche Heimat geworden. Die Gemeinschaftsleute zählen zu den treuesten Gliedern der Kirchengemeinde. Zur Kirche besteht seit jeher ein gutes Verhältnis. Man darf wohl sagen, dass das reiche Glaubensgut, das man heute in Hülben noch findet, auch auf den Einfluss der „Stunde“ zurückgeführt werden kann.